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Albrecht & Partner | DATEV | Bundesfinanzministerium

13.10.2010

Die Lohnsteuerkarte geht in Rente

Nach 85 Jahren hat die Lohnsteuerkarte in Papierform voraussichtlich ab 2012 ausgedient und wird durch die Einführung eines elektronischen Verfahrens ersetzt. Die Lohnsteuerkarte 2010 behält bis zu diesem Zeitpunkt ihre Gültigkeit und darf vom Arbeitgeber vorher nicht vernichtet werden. Die darauf notierten Eintragungen (z. B. Freibeträge) werden ohne weiteren Antrag auch für den Lohnsteuerabzug im Jahr 2011 zu Grunde gelegt. Die Angaben der bisherigen Vorderseite der Lohnsteuerkarte (Steuerklasse, Zahl der Kinderfreibeträge, andere Freibeträge und die Religionszugehörigkeit) werden in einer Datenbank der Finanzverwaltung zum elektronischen Abruf für den Arbeitgeber bereitgestellt und künftig als Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) bezeichnet. Die Zuständigkeit für die Änderung der vorgenannten Daten wechselt ab 2011 von den Meldebehörden auf die Finanzämter. Die Finanzämter sind bereits im Jahr 2010 zuständig, falls die Änderungen den Lohnsteuerabzug 2011 betreffen. Für Änderungen der Meldedaten an sich (z. B. Heirat, Geburt, Kirchenein- oder Austritt) sind aber weiterhin die Gemeinden zuständig. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, die Steuerklasse und die Zahl der Kinderfreibeträge auf der Lohnsteuerkarte 2010 umgehend durch das Finanzamt ändern zu lassen, wenn die Eintragungen von den Verhältnissen zu Beginn des Jahres 2011 zu seinen Gunsten abweichen. Auch wenn sich ein für das Jahr 2010 eingetragener Freibetrag verringert ( z. B. geringere Fahrtkosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte), kann dies ohne Korrektur zu erheblichen Nachzahlungen im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung führen. Die Herabsetzung des Freibetrags kann beim Finanzamt beantragt werden. Ab dem Jahr 2012 müssen sämtliche antragsgebundenen Einträge und Freibeträge wieder erneut beim zuständigen Finanzamt beantragt werden. Wird für das Jahr 2011 erstmalig eine Lohnsteuerkarte benötigt, stellt das Finanzamt stattdessen eine Ersatzbescheinigung aus. Ausgenommen hiervon sind ledige Arbeitnehmer, die im Jahr 2011 erstmalig eine Ausbildung beginnen. Hier kann der Arbeitgeber die Steuerklasse I unterstellen, wenn der Arbeitnehmer seine steuerliche Identifikationsnummer (IdNr.), sein Geburtsdatum sowie die Religionszugehörigkeit mitteilt und gleichzeitig schriftlich bestätigt, dass es sich um das erste Dienstverhältnis handelt. Bei Beginn einer neuen Beschäftigung muss der Arbeitnehmer ab dem Jahr 2012 seinem Arbeitgeber einmalig sein Geburtsdatum und seine IdNr. mitteilen sowie die Auskunft geben, ob es sich um das Haupt- oder um ein Nebenarbeitsverhältnis handelt. Hat das Arbeitsverhältnis auch schon im Jahr 2010 oder 2011 bestanden, liegen dem Arbeitgeber diese Informationen bereits vor. Nur der aktuelle Arbeitgeber ist zum Abruf der ELStAM berechtigt. Mit Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses entfällt diese Berechtigung. Welche Ihrer persönlichen Daten zur Übermittlung gespeichert sind und welcher Arbeitgeber diese in den letzten zwei Jahren abgerufen hat, kann der Arbeitnehmer mit Beginn des elektronischen Verfahrens jederzeit über das ElsterOnline Portal einsehen. Dazu ist eine Authentifizierung unter Verwendung der IdNr. notwendig. Arbeitnehmer können auf Antrag bei Ihrem zuständigen Finanzamt konkrete Arbeitgeber für den Abruf der ELStAM benennen und ausschließen.