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Albrecht & Partner | DATEV | Bundesfinanzministerium

04.03.2011

"Privatverkäufe" bei ebay umsatzsteuerpflichtig?

Diese Frage bejahte das Finanzgericht Baden-Württemberg in einem aktuellen, noch nicht rechtskräftigen Urteil (Pressemitteilung vom 08.02.2011):

Laut Gericht sind unter bestimmten Voraussetzungen auch Verkäufe umsatzsteuerpflichtig, wenn sie lediglich Gegenstände betreffen, die zuvor aus einer Sammlerleidenschaft heraus  - und ohne die Absicht des späteren Wiederverkaufs - über einen längeren Zeitraum erworben wurden.

Im vorliegenden Fall versteigerte ein Ehepaar über einen Zeitraum von etwa dreieinhalb Jahren auf ebay mehr als 1.200 Gebrauchsgegenstände (im Wesentlichen Spielzeugpuppen, Füllfederhalter, Porzellan und ähnliche Dinge) und erzielte hieraus zwischen 20.000,- und 30.000,- € jährlich. Damit lagen sie auch über dem Grenzbetrag der sog. Kleinunternehmerregelung (jetzt: 17.500,- € im "Erstjahr" bzw. im Vorjahr; § 19 UStG).

Das Gericht führt aus, dass das Ehepaar als Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes anzusehen ist, da es sich um eine nachhaltige Betätigung handelt. Die Eheleute hätten die ebay-Versteigerungen intensiv betreuen müssen, die Verkaufstätigkeit sei auf Langfristigkeit angelegt gewesen und habe einen nicht unerheblichen Organisationsaufwand erfordert.

Darauf, dass das Auftreten nicht dem eines klassischen Händlers entsprochen habe, weil die Ware nicht schlicht "durchgehandelt" wurde, komme es nicht entscheidend an.

 

Hinweis: Bei einem "Händlerverhalten" - man kauft planmäßig Gegenstände zum Zweck des Verkaufs und hat schon im Hinterkopf, mit diesen Verkaufserlösen wiederum neue Waren zum Verkauf einzukaufen - reichen laut Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes sehr wenige Verkaufsgeschäfte aus, um die Unternehmereigenschaft zu begründen.