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Albrecht & Partner | DATEV | Bundesfinanzministerium

19.08.2011

Auch Kosten für ein Erststudium abziehbar?

In aktuellen Urteilen hat der Bundesfinanzhof entschieden (Pressemitteilung vom 17. Juni 2011), dass auch Kosten für ein Erststudium oder eine Erstausbildung als vorweggenommene Werbungskosten abziehbar sind, auch wenn diese unmittelbar an die Schule anschließen.

 

Entscheidend dabei ist, dass ein hinreichend konkreter Veranlassungszusammenhang zwischen den Aufwendungen und der späteren auf Einkünfteerzielung gerichteten Berufstätigkeit besteht:

 

In einem der vom Bundesfinanzhof entschiedenen Fälle nahm der Kläger bei einer Tochtergesellschaft einer Fluglinie die Ausbildung zum Berufspiloten auf. Hierfür entstanden ihm Aufwendungen von annähernd 28.000 €. In dieser Höhe beantragte er mit seiner Einkommensteuererklärung 2004 einen Verlustvortrag festzustellen. Er berief sich darauf, dass diese Ausbildungskosten vorweggenommene Werbungskosten für seine künftige nichtselbstständige Tätigkeit als Pilot seien. Im anderen Streitfall hatte die Klägerin ihre Schulausbildung 2004 mit dem Abitur abgeschlossen und anschließend das Medizinstudium aufgenommen. Auch sie machte ihre Aufwendungen für das Studium als vorweggenommene Werbungskosten geltend und beantragte ebenfalls eine entsprechende Verlustfeststellung.

 

Nach dem die Finanzämter und Finanzgerichte dies abgelehnt hatten, gab der Bundesfinanzhof den Klägern recht.

 

Der Bundesfinanzhof sah dafür im § 12 Nr. 5 EStG - den der Gesetzgeber 2004 eingeführt hatte, um frühere, entsprechende Urteile des BFH auszuhebeln - kein generelles Verbot und begründet dies damit, dass grundsätzlich der Werbungskosten- und Betriebsausgabenabzug vorrangig zu Regelungen zum Sonderausgabenabzug sind.